Problematische Inhaltsstoffe in Kosmetik: Diese solltest du meiden
Parabene, Silikone, PEGs und Co.: Welche Inhaltsstoffe in Kosmetik problematisch sind und warum du sie besser meiden solltest.
Du hast sicher schon Produkte gesehen, die stolz mit "Ohne Parabene" oder "Silikonfrei" werben. Aber was genau ist an diesen Inhaltsstoffen problematisch? Und gibt es noch andere, auf die du achten solltest? In diesem Artikel schauen wir uns die häufigsten kritischen Inhaltsstoffe in Kosmetik an, erklären, warum sie umstritten sind, und geben dir eine klare Orientierung. Keine Panikmache, sondern fundierte Einordnung.
Parabene: Die umstrittenen Konservierungsstoffe
Parabene sind Konservierungsstoffe, die verhindern, dass sich Bakterien und Schimmel in deinen Cremes, Shampoos und Lotionen vermehren. Du erkennst sie in der INCI-Liste an der Endung "-paraben": Methylparaben, Ethylparaben, Propylparaben, Butylparaben.
Warum sie umstritten sind: Parabene haben eine schwach östrogenartige Wirkung, das heißt, sie können im Körper wie das Hormon Östrogen wirken. Studien haben Parabene in Brustkrebsgewebe nachgewiesen, allerdings konnte bisher kein kausaler Zusammenhang belegt werden. Die EU hat bestimmte Parabene (Methyl- und Ethylparaben) in geringen Konzentrationen als sicher eingestuft, während andere (Propyl- und Butylparaben) stärker reguliert wurden.
Einordnung: Die Forschungslage ist nicht eindeutig. Wenn du auf Nummer sicher gehen willst, greife zu parabenfreien Produkten. Aber: Die Ersatzkonservierungsstoffe sind nicht immer besser erforscht. Phenoxyethanol, ein häufiger Paraben-Ersatz, hat ebenfalls seine Kritiker. Wer konsequent auf bedenkliche Stoffe verzichten will, orientiert sich am besten an zertifizierten Naturkosmetik-Siegeln.
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Silikone erkennst du an Endungen wie "-cone", "-siloxane" oder "-conol". Die häufigsten sind Dimethicone, Cyclomethicone und Amodimethicone.
Was sie tun: Silikone legen einen glatten Film auf Haut und Haare. Das fühlt sich sofort gepflegt an, weil die Oberfläche geglättet wird. Aber sie pflegen nicht wirklich, denn sie dringen nicht in die Haut ein und liefern keine Nährstoffe.
Das Problem: Der Silikonfilm kann die Poren verstopfen, besonders bei öliger Haut oder Mischhaut. In der Haarpflege können sich Silikone aufbauen (Build-up) und das Haar langfristig beschweren und austrocknen. Außerdem sind die meisten Silikone nicht biologisch abbaubar und belasten die Umwelt.
Einordnung: Silikone sind nicht gefährlich, aber sie sind eine kosmetische Illusion. Für schnelle Ergebnisse okay, für langfristige Hautgesundheit gibt es Besseres. Wenn du dich für Naturkosmetik interessierst, sind Silikone ohnehin tabu.
Mineralöle und Erdölderivate
Unter den INCI-Bezeichnungen Paraffinum Liquidum, Petrolatum, Mineral Oil, Cera Microcristallina und Ceresin verbergen sich Mineralöle, also Produkte aus Erdöl.
Was sie tun: Ähnlich wie Silikone bilden sie einen Film auf der Haut, der Feuchtigkeit einschließt. Das ist erstmal nicht schlecht, wenn die Haut darunter genug Feuchtigkeit hat. Vaseline (Petrolatum) wird in der Dermatologie sogar gezielt eingesetzt, etwa bei sehr trockener Haut oder Neurodermitis.
Das Problem: In weniger gereinigten Mineralölen können MOAH (Mineral Oil Aromatic Hydrocarbons) enthalten sein, die als potenziell krebserregend gelten. Kosmetische Mineralöle in der EU müssen zwar hochgereinigt sein, aber die Diskussion bleibt. Zudem liefern Mineralöle der Haut keinerlei Nährstoffe, im Gegensatz zu pflanzlichen Ölen wie Hagebuttenöl oder Kokosöl.
Einordnung: In hochwertiger Kosmetik verzichtbar. Pflanzliche Alternativen wie Arganöl* oder Squalan* können mehr als nur einen Film bilden, sie liefern Fettsäuren, Vitamine und Antioxidantien.
PEGs: Die unsichtbaren Türöffner
PEGs (Polyethylenglykole) erkennst du an "PEG-" gefolgt von einer Zahl, zum Beispiel PEG-40 oder PEG-100.
Was sie tun: PEGs sind Emulgatoren, die dafür sorgen, dass sich Wasser und Öl in einer Creme verbinden. Ohne Emulgatoren würde sich jede Lotion in zwei Phasen trennen.
Das Problem: PEGs können die Hautbarriere durchlässiger machen. Das klingt erstmal harmlos, bedeutet aber, dass auch Schadstoffe leichter durch die Haut eindringen können. Besonders problematisch bei geschädigter oder gereizter Haut. Außerdem können PEGs mit Ethylenoxid verunreinigt sein, einem Stoff, der als krebserregend eingestuft ist.
Einordnung: Es gibt natürliche Emulgator-Alternativen wie Lecithin oder Cetearyl Olivate. In zertifizierter Naturkosmetik sind PEGs nicht erlaubt.
Sulfate: Die aggressiven Schäumer
SLS (Sodium Lauryl Sulfate) und SLES (Sodium Laureth Sulfate) sind die bekanntesten Sulfate in Kosmetik. Du findest sie vor allem in Shampoos, Duschgelen und Reinigungsprodukten.
Was sie tun: Sulfate sind Tenside, also Waschsubstanzen. Sie erzeugen den üppigen Schaum, den wir beim Haarewaschen gewohnt sind, und lösen Fett und Schmutz.
Das Problem: SLS ist ein sehr starkes Tensid, das die Haut und Kopfhaut austrocknen und reizen kann. Es entfettet so gründlich, dass die natürliche Schutzschicht angegriffen wird. SLES ist etwas milder, kann aber ebenfalls reizen. Für Menschen mit empfindlicher Haut, Kopfhautproblemen oder gefärbten Haaren sind Sulfate oft zu aggressiv.
Einordnung: Nicht jedes Sulfat ist gleich schlecht. Mildere Alternativen wie Coco-Glucoside (ein zuckertensid) schäumen weniger, reinigen aber genauso gut. Wenn du auf sulfatfreie Shampoos umsteigst, gewöhne dich daran, dass weniger Schaum nicht weniger Reinigung bedeutet.
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Hinter dem Wort "Parfum" oder "Fragrance" in der INCI-Liste können sich über 3.000 verschiedene chemische Substanzen verbergen. Der Hersteller muss diese nicht einzeln auflisten, da die Duftzusammensetzung als Betriebsgeheimnis gilt.
Das Problem: Unter den möglichen Duftstoffen befinden sich bekannte Allergene wie Linalool, Limonene, Citronellol oder Coumarin. Diese 26 Allergene müssen zwar einzeln deklariert werden, aber der Rest bleibt im Dunkeln. Synthetische Moschusverbindungen können sich zudem im Körper anreichern. Wenn du zu Allergien neigst, ist "Parfum" ein rotes Tuch.
Einordnung: Nicht jeder Duftstoff ist problematisch, aber die fehlende Transparenz ist es. Bei empfindlicher Haut greife zu Produkten mit "Parfumfrei" (nicht "unparfümiert", das kann immer noch Duftstoffe zur Geruchsüberdeckung enthalten).
Mikroplastik in Kosmetik
Mikroplastik taucht unter zahlreichen INCI-Bezeichnungen auf: Polyethylene, Polypropylene, Nylon-12, Acrylates Copolymer, Polymethyl Methacrylate. Es wird als Füllstoff, Bindemittel oder Peelingpartikel eingesetzt.
Das Problem: Mikroplastik gelangt über das Abwasser in Flüsse und Meere, wo es sich in der Nahrungskette anreichert. In Peelings wurden die sichtbaren Mikroplastik-Kügelchen in der EU inzwischen verboten, aber flüssige und gelförmige Kunststoffe sind weiterhin erlaubt.
Einordnung: Mikroplastik in Kosmetik ist vor allem ein Umweltproblem. Wenn dir Nachhaltigkeit wichtig ist, achte auf entsprechende Siegel oder nutze Apps wie CodeCheck zum Scannen. Auch bei der Haarpflege lohnt sich der Blick auf die Inhaltsstoffe.
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Nicht jeder umstrittene Inhaltsstoff ist gleich giftig. Die Dosis, die Kombination und dein individueller Hauttyp spielen eine große Rolle. Was du tun kannst: Lerne die INCI-Liste zu lesen, nutze Apps für den schnellen Check und achte auf seriöse Siegel. Du musst nicht alles perfekt machen, schon ein bewussterer Blick auf die Zutatenliste macht einen Unterschied.