INCI-Liste lesen: Inhaltsstoffe in Kosmetik verstehen
Lerne die INCI-Liste auf Kosmetikprodukten zu lesen und verstehe, welche Inhaltsstoffe gut sind und welche du besser meidest.
Du drehst die Creme um und siehst eine endlose Liste aus Wörtern, die klingen wie aus einem Chemie-Lehrbuch. Aqua, Cetearyl Alcohol, Tocopheryl Acetate, Phenoxyethanol. Wer soll das verstehen? Tatsächlich steckt hinter dieser Liste ein System, das du mit etwas Übung schnell durchschaust. Die INCI-Liste (International Nomenclature of Cosmetic Ingredients) ist dein wichtigstes Werkzeug, um gute von schlechter Kosmetik zu unterscheiden.
Was ist die INCI-Liste überhaupt?
INCI steht für International Nomenclature of Cosmetic Ingredients. Es ist ein standardisiertes System, das seit 1997 in der EU vorgeschrieben ist. Jedes Kosmetikprodukt muss seine Inhaltsstoffe auf der Verpackung auflisten, und zwar nach einer einheitlichen Nomenklatur.
Die Regeln sind einfach:
- Reihenfolge nach Konzentration: Der Inhaltsstoff, der am meisten enthalten ist, steht an erster Stelle. Was weiter hinten steht, ist in geringerer Menge enthalten.
- Ab unter 1 % darf die Reihenfolge beliebig sein. Das betrifft meist Wirkstoffe, Konservierungsstoffe und Duftstoffe.
- Pflanzliche Inhaltsstoffe werden mit ihrem lateinischen Pflanzennamen aufgeführt (z.B. Prunus Amygdalus Dulcis Oil für Süßmandelöl).
- Synthetische Stoffe haben chemische Bezeichnungen (z.B. Dimethicone für ein Silikon).
- Farbstoffe werden mit CI-Nummern angegeben (z.B. CI 77891 für Titandioxid).
- Parfum/Fragrance ist ein Sammelbegriff und kann Hunderte von Einzelstoffen verbergen. Wer zu Kosmetik-Allergien neigt, sollte hier besonders aufpassen.
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Die wichtigsten Inhaltsstoffe und was sie tun
Hier eine Übersicht der häufigsten INCI-Bezeichnungen, die du kennen solltest:
Basis und Feuchtigkeit:
- Aqua – Wasser. Steht bei den meisten Produkten an erster Stelle.
- Glycerin – Feuchtigkeitsspender, bindet Wasser in der Haut. Einer der besten und günstigsten Feuchtigkeitsspender überhaupt.
- Hyaluronic Acid / Sodium Hyaluronate – Hyaluronsäure, kann das Vielfache ihres Gewichts an Wasser binden.
- Panthenol – Provitamin B5, beruhigt und unterstützt die Hautbarriere.
Öle und Fette:
- Squalane – Leichtes Öl, das dem hauteigenen Talg ähnelt.
- Prunus Amygdalus Dulcis Oil – Süßmandelöl, reichhaltig und gut verträglich.
- Rosa Canina Seed Oil – Hagebuttenöl, reich an Vitamin A und C.
- Cocos Nucifera Oil – Kokosöl, komedogen, also nicht für jeden Hauttyp geeignet.
Wirkstoffe:
- Niacinamide – Niacinamid*, Vitamin B3, gut gegen Poren und Rötungen.
- Retinol / Retinyl Palmitate – Retinol*, Vitamin-A-Derivat, Anti-Aging-Goldstandard.
- Ascorbic Acid / Ascorbyl Glucoside – Vitamin C* in verschiedenen Formen.
- Tocopherol – Vitamin E, Antioxidans.
Inhaltsstoffe, die du hinterfragen solltest
Nicht jeder synthetische Inhaltsstoff ist schlecht, aber einige sind umstritten. Hier die wichtigsten, auf die du achten solltest:
Silikone (Dimethicone, Cyclomethicone, alles auf "-cone" oder "-siloxane"): Legen einen Film auf die Haut, der sich glatt anfühlt, aber die Haut nicht pflegt. Nicht direkt schädlich, aber sie können die Poren verstopfen und sind biologisch nicht abbaubar.
Parabene (Methylparaben, Propylparaben, Butylparaben): Konservierungsstoffe mit östrogenartiger Wirkung. In geringen Konzentrationen als sicher eingestuft, aber viele Verbraucher meiden sie vorsichtshalber.
PEGs (Polyethylenglykole, erkennbar an "PEG-" mit Zahl): Emulgatoren, die die Hautbarriere durchlässiger machen können. In der Naturkosmetik verboten.
Mineralöle (Paraffinum Liquidum, Petrolatum, Mineral Oil): Erdölderivate, die einen Film auf der Haut bilden. Günstig in der Herstellung, pflegen aber nicht aktiv.
Synthetische Duftstoffe (versteckt hinter "Parfum" oder "Fragrance"): Können aus Hunderten von Einzelstoffen bestehen, darunter bekannte Allergene.
Einen ausführlichen Guide zu problematischen Inhaltsstoffen findest du in unserem separaten Artikel. Wer sich für vegane Kosmetik interessiert, muss die INCI-Liste besonders genau kennen, um tierische Inhaltsstoffe zu identifizieren.
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Tipp 1: Die ersten 5 Inhaltsstoffe zählen am meisten. Sie machen zusammen oft 80 % des Produkts aus. Wenn dort nur Wasser, Silikone und Mineralöle stehen, ist das Produkt nicht viel wert, egal wie teuer es ist.
Tipp 2: Nutze Apps. Apps wie INCI Beauty, CodeCheck oder Yuka scannen den Barcode und bewerten die Inhaltsstoffe für dich. Perfekt für schnelle Checks im Laden.
Tipp 3: Lateinische Namen = pflanzlich. Wenn du viele lateinische Pflanzennamen in der Liste siehst, ist das ein gutes Zeichen. Chemische Bezeichnungen bedeuten nicht automatisch schlecht, aber bei zertifizierter Naturkosmetik überwiegen die pflanzlichen Inhaltsstoffe.
Tipp 4: Kurze Listen sind oft besser. Ein Produkt mit 10 Inhaltsstoffen muss nicht schlechter sein als eines mit 30. Im Gegenteil: Weniger Inhaltsstoffe bedeuten oft weniger Allergierisiko und mehr Konzentration auf das Wesentliche.
Tipp 5: "Ohne" ist nicht immer besser. "Ohne Parabene" heißt nicht automatisch gut. Manchmal wird ein umstrittener Stoff durch einen ersetzen, der noch weniger erforscht ist. Schau lieber, was drin ist, als was draufsteht.
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Hersteller sind kreativ, wenn es darum geht, ihre Produkte besser darzustellen als sie sind:
- "Mit Hyaluronsäure" – Steht der Wirkstoff ganz hinten in der INCI-Liste, ist so wenig drin, dass die Wirkung minimal ist.
- "Natürlich" / "Natural" – Kein geschützter Begriff. Kann auf der Vorderseite stehen, auch wenn das Produkt voller Silikone ist.
- "Dermatologisch getestet" – Bedeutet nur, dass ein Dermatologe das Produkt angeschaut hat. Nicht, dass es besonders gut oder verträglich ist.
- "Ohne Tierversuche" – In der EU sind Tierversuche für Kosmetik bereits seit 2013 verboten. Das Label ist also Standard, kein Qualitätsmerkmal.
Wenn du auf Nummer sicher gehen willst, orientiere dich an den anerkannten Siegeln statt an Marketingversprechen.
Fazit: INCI-Lesen ist einfacher als gedacht
Du musst kein Chemiker sein, um die INCI-Liste zu verstehen. Merk dir die wichtigsten guten und schlechten Inhaltsstoffe, nutze eine App für den schnellen Check und schau vor allem auf die ersten fünf Zutaten. Mit der Zeit entwickelst du ein Gefühl dafür, was ein gutes Produkt ausmacht. Und das ist wertvoller als jede Werbekampagne. Wenn du wissen willst, ob günstige Kosmetik genauso gut ist wie teure, ist die INCI-Liste dein wichtigstes Vergleichswerkzeug.