Kokosöl in der Pflege: Was es kann und was nicht
Kokosöl als Beauty-Allrounder? Was Kokosöl in der Hautpflege wirklich kann, wo es schadet und für wen es geeignet ist.
Kokosöl ist das Schweizer Taschenmesser der Naturkosmetik, zumindest wenn man dem Internet glaubt. Abschminkung, Haarkur, Bodylotion, Lippenpflege, Anti-Aging-Mittel und sogar Zahnpasta-Ersatz: Es gibt kaum einen Beauty-Einsatz, für den Kokosöl nicht empfohlen wird. Aber wie so oft liegt die Wahrheit irgendwo zwischen Hype und Realität. Kokosöl kann tatsächlich einiges, aber nicht alles, und für manche Haut ist es sogar kontraproduktiv.
Was Kokosöl enthält
Kokosöl (INCI: Cocos Nucifera Oil) besteht zu rund 90 % aus gesättigten Fettsäuren. Die wichtigste davon ist Laurinsäure (etwa 50 %), die antibakterielle und antimikrobielle Eigenschaften hat. Daneben enthält es Myristinsäure, Palmitinsäure und in geringen Mengen Vitamin E.
Die Besonderheit: Kokosöl ist bei Raumtemperatur fest und schmilzt bei etwa 25 °C. Es zieht relativ langsam ein und hinterlässt einen spürbaren Film auf der Haut. Genau das macht es für manche Anwendungen ideal und für andere problematisch.
Wenn du wissen willst, wie Kokosöl in der INCI-Liste anderer Produkte auftaucht und was die anderen Inhaltsstoffe bedeuten, schau dir unseren INCI-Guide an.
Wo Kokosöl wirklich hilft
Körperpflege: Für den Körper (Arme, Beine, Ellenbogen, Füße) ist Kokosöl ein gutes, günstiges Pflegeöl. Es pflegt trockene Stellen, macht die Haut geschmeidig und zieht langsam ein, was den pflegenden Effekt verlängert. Besonders nach dem Duschen auf leicht feuchte Haut aufgetragen, schließt es die Feuchtigkeit ein. Mehr zur Körperpflege-Routine findest du in unserem separaten Artikel.
Haarpflege: Als Pre-Shampoo-Behandlung ist Kokosöl* ein echter Geheimtipp. Vor der Haarwäsche in die Längen und Spitzen einmassieren, 20-30 Minuten einwirken lassen, dann normal waschen. Die Laurinsäure dringt tatsächlich in den Haarschaft ein (das können nicht alle Öle) und schützt das Haar vor Eiweißverlust beim Waschen. Bei Spliss und trockenem Haar kann das einen echten Unterschied machen.
Abschminken: Kokosöl löst Make-up, auch wasserfestes, zuverlässig. Wer konsequent auf Naturkosmetik setzen will, hat mit Kokosöl einen vielseitigen Einstieg.
Bio-Kokosöl im Bügelglas
Natives, kaltgepresstes Bio-Kokosöl in umweltfreundlichem Bügelglas. Vielseitig einsetzbar für Haut, Haare und zum Abschminken.
Auf Amazon ansehen→Lippenpflege: Für rissige, trockene Lippen ist Kokosöl eine gute Notlösung. Es schützt und pflegt, zieht langsam ein und schmeckt neutral. Für eine langfristige Lippenpflege gibt es allerdings bessere Alternativen.
Wo Kokosöl schadet
Gesichtspflege bei fettiger Haut oder Akne: Hier liegt das größte Problem. Kokosöl hat einen Komedogenitätsgrad von 4 (auf einer Skala von 0-5). Das bedeutet: Es verstopft mit hoher Wahrscheinlichkeit die Poren. Für Menschen mit fettiger Haut, Mischhaut oder Akne ist Kokosöl im Gesicht ein Risiko. Es kann Pickel, Mitesser und Unreinheiten verschlimmern.
Als alleinige Gesichtscreme: Kokosöl spendet keine Feuchtigkeit. Es schließt vorhandene Feuchtigkeit ein (okklusiv), liefert aber selbst kein Wasser. Wer trockene Haut hat, braucht erst Feuchtigkeit (z.B. durch Hyaluronsäure oder Glycerin) und dann ein Öl oder eine Creme, die die Feuchtigkeit einschließt. Kokosöl allein reicht nicht.
Sonnenschutz: Im Internet kursiert der Mythos, Kokosöl habe einen natürlichen Lichtschutzfaktor. Studien zeigen einen LSF von bestenfalls 1-2. Das ist kein Sonnenschutz. Für echten UV-Schutz brauchst du ein Sonnenschutzmittel mit mindestens SPF 30.
Empfindliche Gesichtshaut: Die Laurinsäure in Kokosöl kann bei empfindlicher Haut reizend wirken. Wenn deine Haut zu Allergien neigt oder leicht gerötet ist, teste Kokosöl erst an einer kleinen Stelle am Unterarm.
Kokosöl richtig anwenden: Tipps
Wenn du Kokosöl verwenden willst, beachte diese Punkte:
- Kaltgepresst und nativ kaufen. Raffiniertes Kokosöl hat durch die Verarbeitung einen Teil seiner wirksamen Inhaltsstoffe verloren.
- Bio-Qualität bevorzugen. Konventioneller Kokosanbau verwendet teils Pestizide, die im Öl landen können.
- Nicht direkt ins Gesicht, wenn du zu Unreinheiten neigst. Für den Körper und die Haare ist es dagegen prima.
- Sparsam verwenden. Eine erbsengroße Menge reicht für beide Hände. Weniger ist mehr, sonst fettet alles.
- Nach dem Duschen auf leicht feuchte Haut auftragen. So verbindet sich das Öl mit der restlichen Feuchtigkeit und zieht besser ein.
Bio Kokosöl für die Pflege
Natives, kaltgepresstes Bio-Kokosöl in Lebensmittelqualität – ideal für Haut und Haare.
Auf Amazon ansehen→Alternativen zu Kokosöl
Wenn Kokosöl nicht zu deiner Haut passt, gibt es pflanzliche Alternativen mit niedrigerer Komedogenität:
Jojobaöl (Komedogenitätsgrad: 2): Ähnelt dem hauteigenen Talg und ist für die meisten Hauttypen gut verträglich. Zieht schneller ein als Kokosöl.
Hagebuttenöl (Komedogenitätsgrad: 1): Reich an Vitamin A und C, gut für reifere Haut und bei Narben. Mehr dazu in unserem Hagebuttenöl-Artikel.
Squalan (Komedogenitätsgrad: 0-1): Aus Oliven oder Zuckerrohr gewonnen, extrem leicht und für alle Hauttypen geeignet. Verstopft die Poren praktisch nicht.
Arganöl* (Komedogenitätsgrad: 0): Leicht, nährstoffreich und für empfindliche Haut geeignet. Besonders beliebt in der Haarpflege für Locken.
Jojobaöl als Kokosöl-Alternative
Leichtes Bio-Jojobaöl mit niedrigem Komedogenitätsgrad. Ideal für Gesicht und Mischhaut, wo Kokosöl zu reichhaltig ist.
Auf Amazon ansehen→Fazit: Kokosöl ist gut, aber kein Wundermittel
Kokosöl hat seinen Platz in der Beauty-Routine verdient, aber nicht auf dem Thron, den ihm das Internet gebaut hat. Für Körper, Haare und als Abschminköl ist es eine günstige, natürliche Option. Für das Gesicht ist es nur bei trockener, unempfindlicher Haut geeignet. Bei Unreinheiten, fettiger Haut oder Akne solltest du lieber zu Alternativen greifen. Wie bei allem in der Hautpflege gilt: Was zählt, ist nicht der Hype, sondern was deine Haut wirklich braucht. Weitere natürliche Pflegeöle findest du auch in unserem Artikel zu Aloe Vera.